:: Ausbau von Glasfaser-Internet: Stand, Ziele und Hürden


Langfristig gesehen führt kein Weg vorbei am Ausbau der Glasfaser-Netze. Jede aktuell verwendete Technik, sei es DSL, VDSL oder Hybrid, ist im Endeffekt lediglich als Brückentechnik zu einer flächendeckenden Fiber-Abdeckung anzusehen. Denn keine andere Technik ist so leistungsstark und flexibel wie die Glasfaser.

Der Weg in die gläserne Zukunft und somit ins Gigabitzeitalter ist nicht mehr abzuwenden. Allerdings scheint Deutschland den weltweiten Trend mal wieder gründlich zu verschlafen. Im Folgenden wollen wir zeigen, wie der aktuelle Stand ist, wo Glasfaser-Internet hierzulande schon bestellt werden kann und wo es bald ausgebaut wird. Mittlerweile können sich die ersten Erfolge bereits sehen lassen!

Deutschland fast Letzter im EU-Vergleich

Obwohl Experten praktisch unstrittig in den Glasfaser-Netzen die Zukunft der Datenübertragung sehen, gibt Deutschland im internationalen Vergleich noch kein gutes Bild ab.

Gemäß des letzten  Rankingvergleichs des FTTH-Councils aus dem Jahr 2016, rangiert die Bundesrepublik in der EU-weiten Betrachtung nur auf Platz 27. Immerhin – ein Jahr zuvor, waren wir nicht einmal unter den Top 30 zu finden! Die Liste umfasst Länder mit einer Penetrationsrate von FTTH- oder FTTB-Zugängen mit mehr als 1 Prozent. Im Vergleich verfügen hierzulande weniger Haushalte Zugang zu schnellen Glasfaseranschlüssen, als in Polen oder Serbien. Auch das EU-Mittel von rund 10 Prozent Gesamtreichweite wird deutlich unterschritten, nämlich um den Faktor 5.



Ob sich das Blatt in den kommenden 3-5 Jahren wenden könnte, bleibt abzuwarten. Insbesondere die Kabelprovider investieren immer mehr in Hybrid-Netze aus Glasfaser und Koaxial, so dass die Deutsche Telekom immer mehr unter Druck gerät und zu mehr Investitionen in die Fiberinfrastrukturen gedrängt wird. Des Weiteren steht ab 2020 der LTE-Nachfolger 5G (www.5g-anbieter.info) an. 5G-Mobilfunkmasten ohne leistungsstarke Glasfaseranbindungen können die versprochenen Leistungen ohnehin nicht bieten, so dass wieder ein gewichtiges Argument für mehr Infrastrukturen gegeben ist.

aktueller Ausbaustand Deutschlands in Zahlen

Momentan (Mitte 2017) können hierzulande rund 2.1 Millionen Haushalte auf "echtes" Glasfaserinternet zugreifen. Echt bedeutet dabei die Ausbauweise, wo die Fiberleitungen direkt bis zum Haus oder Modem des Endkunden führen, also FTTH bzw. FTTB. In Prozentpunkten ausgedrückt bedeutet das eine Abdeckung von gerade mal 6.6 Prozent. Zum Vergleich: VDSL (FTTC) ist aktuell schon für rund 55 Prozent der Haushalte verfügbar.

In der bundesweiten Betrachtung, nimmt seit 2011 die Deutsche Telekom eine führende Rolle ein. Am 13.08.2012 startete die Telekom FTTH endlich offiziell in den ersten 12 Städten Deutschlands. Nachdem diese zunächst weiter recht übersichtlich blieb, kamen 2013 und 2014 etliche Neulinge hinzu. Vor allem Städte, in denen der Ausbau zunächst unsicher war oder wo die Arbeiten noch im Gange waren. Mitte 2017 zählten wir immerhin schon 32 Städte, in denen FTTH verfügbar war. Oft sind allerdings zunächst nur bestimmte Stadtteile erschlossen und nicht die kompletten Citygebiete. Im Einzelnen handelt es sich dabei um:

Wie es um den aktuellen Stadt steht, können Interessenten hier auf der Telekomkarte prüfen...


Stadt Vorwahl Stadt Vorwahl
Brühl/Baden 06202 Neu-Isenburg 06102
Hannover 0511 Offenburg 0781
Ingolstadt 0841 Potsdam 0331
Kornwestheim 07154 Rastatt 07222
Mettmann 02104 Stade 04141
Hennigsdorf  03302 Bergneustadt 02261
Amberg 09621 Braunschweig 0531
Aschaffenburg 06021 Frankenthal 06233
Freising 08161 Fürstenfeldbruck 08141
Friedrichsdorf 06175 Gummersbach 02261
Kempten 0831 Kiel 0431
Koblenz 0261 Lörrach 07621
Oberursel 06171 Bad Homburg 06172
Berlin 030 + diverse Magdeburg Südenburg 0391
Chemnitz 0371 Bad Dürrenberg 03462
Halle 0345 Eisenhüttenstadt 03364
Dresden diverse Leipzig-Großzschocher 0341
Görlitz 03581 Magdeburg 0391
* inklusive Blasewitz; Striesen und Gruna

Wer hier wohnt, hat gute Chancen die neuen Angebote bald nutzen zu können. Vorbestellungen können teilweise bereits aufgegeben werden.

Ausbau verlangsamt sich

Nach einigen Jahren, wo die Telekom den Fiberausbau richtig intensiv anging, stockt es seit spätestens 2015 ziemlich. Der Konzern selbst gab an, dass in vielen Regionen das Interesse an den schnellen Anschlüssen relativ gering ausfiel. Seither setzen die Bonner vor allem auf Brückentechniken, wie Hybrid oder VDSL-Vectoring. Zwar geht tendenziell damit auch eine Erhöhung des Glasfaseranteils einher, jedoch rückt dieser immer langsamer bis zum Endkunden. Über aktuelle neue Ausbauerfolge, berichten wir übrigens regelmäßig hier im Blog.

Telekom präferiert nach wie vor Ausbau mit VDSL + Vectoring (FTTC)


Regionale Angebote und Ausbau

Neben der Deutschen Telekom, gibt es noch Glasfasernetze kleinerer, regionaler Anbieter. Zu diesen gehört z.B. die M-net, welche maßgeblich in Bayern agiert, Netcologne, wilhelm.tel und die "Deutsche Glasfaser". Zum Teil investieren diese Unternehmen schon seit Jahren in den Glasfaserausbau und haben rechtzeitig die fehlende Zukunftsfähigkeit von DSL erkannt. Eine Übersicht regionaler Glasfaser-Tarife finden Sie hier.


Hier scheiterte der Ausbau mangels Interesse …

Bedingt durch die erheblichen Ausbaukosten, lohnt die Investition in Glasfasernetze für die Telekom nur, wenn genügend Verbraucher Nachfrage bekunden. Daher sammelte der Konzern im Vorfeld nicht selten zunächst erst einmal Vorverträge. Nur ab einer bestimmten Quantität begannen dann die vorgesehenen Tiefbau- und Umbauarbeiten. Je nach Stadt, schwankte diese zwischen einigen hundert und knapp 5000 nötigen Vorbestellungen. Meist konnte die nötige Anzahl erreicht werden. In drei Städten scheiterte der Ausbau an diesem Punkt. Und zwar in Münster, Erlangen und Bremerhaven.


Der Glasfaser-Ausbau kostet Milliarden

Dass die Arbeiten an der Verfügbarkeit vergleichsweise schleppend vorangehen, liegt vor allem an den immensen Kosten. Alleine für die Stadt Hannover, rechnete die Telekom damals mit einem hohen zweistelligen Millionenbetrag. Zur Erschließung von 45.000 Haushalten, wurden beispielsweise gut 600 km Kabel verlegt und ca. 170 Verteilerkästen neu errichtet. Gut 80 Prozent der Kosten entfallen interessanter Weise nicht etwa auf teure Technik oder die Kabel selbst, sondern auf die nötigen Tiefbauarbeiten. Schlussendlich müssen die Fiberkabel auch noch bis zum Haus der Endkunden geführt werden.

Die Erschließung neuer Regionen muss also unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten gut geplant werden. Vor diesem Hintergrund verwundert es nicht, dass vorzugsweise nur dicht besiedelte, dynamische Regionen mit Glasfaser-Internet ausgebaut werden. Ein deutschlandweiter Rollout in den nächsten Jahre, ist äußerst unwahrscheinlich. Schätzungen des „Wissenschaftlichen Instituts für Infrastruktur“ zufolge, würde der bundesweite Glasfaserausbau um die 80 Milliarden Euro kosten! Eine Zahl, welche 2017 abermals bestätigt wurde. Ein Grund, warum die Telekom auch Partner im Netzausbau sucht, wie etwa Energieversorger. Synergien ergeben sich z.B. dadurch, dass regionale Stadtwerke die passiven Netze ausbauen. Telekommunikationsunternehmen zahlen für die Nutzung Miete, binden diese an das Kernnetz an und schnüren Endkundenprodukte. Zudem wird eine wirtschaftliche Erschließung aller Regionen weiterhin nicht ohne einen breiten Technologiemix möglich sein. Also neben FTTH auch Brückentechniken, wie VDSL, VDSL-Vectoring, G.fast oder LTE-Funk.

Notwendigkeit

Trotz notwendiger Milliardeninvestitionen, ist für Deutschland langfristig ein gut ausgebautes Glasfasernetz unumgänglich. Es bildet nicht nur die Basis für schnelle Glasfaser-Flatrates, sondern ist Voraussetzung für einen diversifizierten Breitbandmix. Denn überall dort, wo sich der Ausbau von breitflächigen Glasfasernetzen nicht lohnt, also auf dem Land etwa, sind Alternativen nötig.

LTE-Mobilfunk z.B. bietet die Voraussetzung für kostengünstige Breitbandangebote mit bis zu 150 MBit. Per LTE-Advanced sind heute prinzipiell sogar bis zu 500 MBit möglich. Bald soll zudem mit dem Nachfolgestandard 5G Gigabit-Internet auch per Mobilfunk problemlos möglich sein. Die Basis für so schnelle Funkanbindungen wiederum, schaffen nur per Glasfaser an das Kernnetz angebundene Sendemasten. Gleichsam wird die Relevanz intelligenter Hochleistungsnetze für den Wirtschaftsstandort Deutschland stetig seitens der Industrie betont. Ein weiterer Abfall im internationalen Vergleich (siehe oben) hätte langfristig verehrende Folgen für die Wettbewerbsfähigkeit. Vor diesem Hintergrund erscheinen selbst zweistellige Milliardensummen als verkraftbar. Allerdings kann diese Last nicht maßgeblich einem Unternehmen (Telekom) aufgebürdet werden, soviel scheint klar.

Perspektiven

Zumindest die Deutsche Telekom scheint sich für die nächsten Jahre eher den Ausbau von Brückentechniken auf die Fahne geschrieben zu haben. Wir erwarten hier vorerst nur wenig Impulse. Dabei machen Kabelnetzbetreiber, wie Vodafone, erhebliche Fortschritte beim Ausbau und können in vielen Regionen sogar schon Tarife mit 500 MBit anbieten. Vor diesem Hintergrund bleibt fraglich. wie lange der Konzern noch auf Zwischenlösungen setzten kann, um nicht den Anschluss zu verlieren.

Aber auch das Interesse der Deutschen Verbraucher an Highspeed-Internet per Glasfaser hält sich bis dato sehr in Grenzen. Wahrscheinlich auch weil, bis auf IPTV und Streamingdienste wie Netflix, noch kaum relevante Anwendungen seitens der Provider angeboten werden. In vielen Haushalten verrichten noch Internetzugänge mit deutlich weniger als 25 MBit ihre Dienste ...

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