:: Ausbau von Glasfaser-Internet: Stand, Ziele und Hürden


Obwohl Experten praktisch unstrittig in den Glasfaser-Netzen die Zukunft der Datenübertragung sehen, gibt Deutschland im internationalen Vergleich noch kein gutes Bild ab. Gemäß eines Rankingvergleichs des FTTH-Councils aus dem letzten Jahr, ist die Bundesrepublik in der EU-weiten Betrachtung nach wie vor nicht einmal unter den Top 30 zu finden. Die Liste umfasst Länder mit einer Penetrationsrate von FTTH- oder FTTB-Zugängen mit mehr als 1 Prozent. Weniger als die Ukraine! Auch 2015 dürfte Deutschland, mit nach wie vor nicht einmal 0,5 Mio. Kundenhaushalten, nach wie vor nicht in die Liste schaffen. Mitte 2015 wurde bekannt, dass die Telekom nur rund 500tausesnd Haushalte mit FTTH erreicht. Unsere Nation hängt also im internationalen Vergleich weit hinterher. 2014 ging das "FTTH Council" sogar davon aus, dass hierzulande nicht vor 2020 mit einer adäquaten FTTH-Abdeckung zu rechnen ist.

Ob sich das Blatt in den kommenden 3-5 Jahren wenden könnte, bleibt abzuwarten. Insbesondere die Deutsche Telekom setzt seit 2011 mit milliardenschweren Investitionen voll auf die gläserne Zukunft. Im Folgenden wollen wir zeigen, wo Glasfaser-Internet schon verfügbar ist und wo es bald ausgebaut wird. Mittlerweile können sich die ersten Erfolge bereits sehen lassen!

Glasfaser-Internet schon gestartet in ...

Am 13.08.2012 startete die Telekom FTTH endlich offiziell in den ersten 12 Städten Deutschlands. Nachdem diese zunächst weiter recht übersichtlich blieb, kamen 2013 und 2014 etliche Neulinge hinzu. Vor allem Städte, in denen der Ausbau zunächst unsicher war oder wo die Arbeiten noch im Gange waren. Anfang 2017 zählten wir immerhin schon 32 Städte, in denen FTTH verfügbar war. Oft sind allerdings zunächst nur bestimmte Stadtteile erschlossen und nicht die kompletten Citygebiete. Im Einzelnen handelt es sich dabei um:

Stadt Vorwahl Stadt Vorwahl
Brühl/Baden 06202 Neu-Isenburg 06102
Hannover 0511 Offenburg 0781
Ingolstadt 0841 Potsdam 0331
Kornwestheim 07154 Rastatt 07222
Mettmann 02104 Stade 04141
Hennigsdorf  03302 Bergneustadt 02261
Amberg 09621 Braunschweig 0531
Aschaffenburg 06021 Frankenthal 06233
Freising 08161 Fürstenfeldbruck 08141
Friedrichsdorf 06175 Gummersbach 02261
Kempten 0831 Kiel 0431
Koblenz 0261 Lörrach 07621
Oberursel 06171 Bad Homburg 06172
Berlin Mitte 030 Dresden * 0351
Chemnitz 0371 Magdeburg Südenburg 0391
Halle (Böllberg) 0345 Bad Dürrenberg 03462
* inklusive Blasewitz; Striesen und Gruna

Hier ist das Glasfasernetz teils schon verfügbar oder wird gerade ausgebaut

Die Telekom hat in den vergangenen Monaten etliche neue Regionen bestimmt, in denen der Ausbau bald beginnen soll, bald endet oder anläuft. Dazu gehören beispielsweise zwei Berliner und Dresdner Stadtteile. Die folgende Tabelle zeigt all jene Gebiete, wo der Netzausbau läuft:


Stadt Vorwahl Stadt Vorwahl
Halle 0345 Dresden Strehlen 0351
Berlin Spandau 030 Eisenhüttenstadt 03364
Görlitz 03581 Leipzig-Großzschocher 0341
Magdeburg 0391

Wer hier wohnt, hat gute Chancen die neuen Angebote bald nutzen zu können. Vorbestellungen können teilweise bereits aufgegeben werden. Eigenbesitzer sollten zudem dringend überlegen, dem Ausbau zuzustimmen, da dieser dann in einer bestimmten ortsabhängigen Frist kostenlos erfolgen kann. Dafür ist allerdings ein Antrag nötig.

Wie es um den aktuellen Stadt steht, können Interessenten hier auf der Telekomkarte prüfen...

Hier scheiterte der Ausbau mangels Interesse …

Bedingt durch die erheblichen Ausbaukosten, lohnt die Investition in Glasfasernetze für die Telekom nur, wenn genügend Verbraucher Nachfrage bekunden. Daher sammelt der Konzern im Vorfeld nicht selten zunächst erst einmal Vorverträge. Nur ab einer bestimmten Quantität beginnen dann die vorgesehenen Tiefbau- und Umbauarbeiten. Je nach Stadt, schwankt diese zwischen einigen hundert und knapp 5000 nötigen Vorbestellungen. Meist konnte die nötige Anzahl erreicht werden. In drei Städten scheiterte aber bisher der Ausbau an diesem Punk. Und zwar in Münster, Erlangen und Bremerhaven.


Regionale Angebote und Ausbau

Neben der Deutschen Telekom, gibt es noch Glasfasernetze kleinerer, regionaler Anbieter. Zu diesen gehört z.B. die M-net, welche maßgeblich in Bayern agiert, Netcologne, wilhelm.tel und die "Deutsche Glasfaser". Zum Teil investieren diese Unternehmen schon seit Jahren in den Glasfaserausbau und haben rechtzeitig die fehlende Zukunftsfähigkeit von DSL erkannt. Mehr Informationen zu regionalen Glasfaser-Anbietern. Eine Übersicht regionaler Glasfaser-Tarife finden Sie hier.


Der Glasfaser-Ausbau kostet Milliarden

Dass die Arbeiten an der Verfügbarkeit vergleichsweise schleppend vorangehen, liegt an den immensen Kosten. Alleine für Hannover rechnete die Telekom damals mit einem zweistelligen Millionenbetrag. Für die Erschließung von 45.000 Haushalten wurden gut 600 km Kabel verlegt und ca. 170 Verteilerkästen neu errichtet. Gut 80 Prozent der Kosten entfallen interessanter Weise nicht auf teure Technik oder die Kabel selbst, sondern auf die nötigen Tiefbauarbeiten. Schlussendlich müssen die Fiberkabel auch noch bis zum Haus der Endkunden geführt werden. Die Erschließung neuer Regionen muss also unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten gut geplant werden. Vor diesem Hintergrund verwundert es nicht, dass vorzugsweise nur dicht besiedelte, dynamische Regionen mit Glasfaser-Internet ausgebaut werden. Ein deutschlandweiter Rollout ist die nächsten Jahre äußerst unwahrscheinlich. Schätzungen des „Wissenschaftlichen Instituts für Infrastruktur“ zufolge, würde der bundesweite Glasfaserausbau um die 80 Milliarden Euro kosten! Ein Grund, warum die Telekom auch Partner im Netzausbau sucht, wie etwa Energieversorger. Synergien ergeben sich z.B. dadurch, dass regionale Stadtwerke die passiven Netze ausbauen. Telekommunikationsunternehmen zahlen für die Nutzung Miete, binden diese an das Kernnetz an und schnüren Endkundenprodukte. Zudem wird eine wirtschaftliche Erschließung aller Regionen weiterhin nicht ohne einen breiten Technologiemix möglich sein. Also neben FTTH auch Brückentechniken, wie VDSL, VDSL-Vectoring, G.fast oder LTE-Funk.

Notwendigkeit

Trotz notwendiger Milliardeninvestitionen, ist für Deutschland langfristig ein gut ausgebautes Glasfasernetz unumgänglich. Es bildet nicht nur die Basis für schnelle Glasfaser-Flatrates, sondern ist Voraussetzung für einen diversifizierten Breitbandmix. Denn überall dort, wo sich der Ausbau von breitflächigen Glasfasernetzen nicht lohnt, also auf dem Land etwa, sind Alternativen nötig.

LTE-Mobilfunk z.B. bietet die Voraussetzung für kostengünstige Breitbandangebote mit bis zu 150 MBit. Per LTE-Advanced seit 2015 sogar bis zu 375 MBit. Die Basis für so schnelle Funkanbindungen wiederum, schaffen nur per Glasfaser an das Kernnetz angebundene Sendemasten. Die Relevanz intelligenter Hochleistungsnetze für den Wirtschaftsstandort Deutschland wird gleichsam stetig seitens der Industrie betont. Ein weiterer Abfall im internationalen Vergleich hätte langfristig wahrscheinlich verehrende Folgen für die Wettbewerbsfähigkeit. Vor diesem Hintergrund erscheinen selbst zweistellige Milliardensummen als verkraftbar. Allerdings kann diese Last nicht maßgeblich einem Unternehmen (Telekom) aufgebürdet werden, soviel scheint klar.

Perspektiven

Neben den oben aufgeführten Städten, die schon ausgebaut wurden bzw. wo die Verfügbarkeit bereits besteht, gibt es wie angedeutet noch etliche weitere potenzielle Kandidaten. Falls jedoch häufiger das Interesse seitens der Verbraucher eher gering ausfällt (wie z.B. im Fall Münster), erwarten wir in den kommenden 2-3 Jahren kaum Impulse für weitere Ausbauregionen. Ohnehin ist im nächsten Schritt seitens der Telekom zu erwarten, dass das Glasfasernetz in Metropolen, wie Berlin oder Frankfurt auf der Agenda steht.

Aber auch das Interesse der Deutschen Verbraucher an Highspeed-Internet per Glasfaser hält sich bis dato sehr in Grenzen. Wahrscheinlich auch weil, bis auf IPTV, noch kaum relevante Anwendungen seitens der Provider angeboten werden. Nach einer Studie der Bitkom, nutzen die meisten Haushalte noch Breitbandzugänge mit 2-10 MBit. Gerade 5 Prozent griffen bisher zu Flatrates mit 30-100 MBit. Diese „Breitbandmüdigkeit“ könnte den Zug in Richtung Gigabitgesellschaft wahrscheinlich weit langsamer fahren lassen, als sich die Telekom dies wünscht …



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