G.fast: Bis zu 1 GBit auch ohne FTTH

Was ist G.fast genau und was kann die Technik?


Breitbandausbau mit g.fast
Beim sogenannten G.fast handelt es sich um eine DSL-basierte Technik, welche extrem hohe Datenübertragungsraten auch auf Telefonie-Kupferleitungen des Festnetzes ermöglicht.  Die Abkürzung steht für „fast access to subscriber terminals“, was so viel bedeuten soll, wie schneller Zugang zu Kundenendgeräten (Modem). Obwohl G.fast von der ITU schon vor 3 Jahren (2014) unter dem Standard G.9700 und G.9701 spezifiziert wurde, findet das Verfahren in Deutschland erst seit Mitte 2017 in der Praxis Verwendung.

Prinzipiell können, unter guten Bedingungen und kurzen Wegstrecken, über klassische Festnetzleitungen bis zu 1000 MBit erzielt werden. Also Übertragungsraten, welche sonst nur Glasfaser-Internet vorbehalten war. Zum Vergleich: Der alte ADSL-Standard bringt es über dieselben Kabelleitungen auf 16 MBit, VDSL mit Vectoring auf 100 MBit. Aber wie funktioniert das? Wo wird G.fast eingesetz, welche Nachteile gibt es und was benötigen Kunden dafür? All das und mehr, erfahren Sie im folgenden Ratgeber.

Datenraten der DSL-Verfahren

So funktioniert G.fast

Das sogenannte VDSL wurde vor Jahren als Nachfolgetechnik des veralteten DSL entwickelt. Damit waren zunächst Datenraten übers Festnetz von 50 MBit möglich. Das ist auch heute noch recht viel, dürfte aber spätestens 2020 kaum noch den Ansprüchen der meisten Kunden genügen. Da der Ausbau mit Glasfaser direkt zum Kunden aber sehr teuer ist, sind günstige Zwischenlösungen mit deutlich mehr Leistungspotenzial gefragt. Genau diesem Anspruch genügt G.fast, zumindest im Ansatz.

ADSL Unterschiede Frequenzbereiche

Das Verfahren gilt als Nachfolgestandard von VDSL und nutzt einen wesentlich höheren Frequenzbereich, wodurch deutlich mehr Daten je Zeiteinheit übertragen werden können. Während z.B. VDSL nur bis in den Bereich von 17 MHz operiert, arbeitet G.fast mit Bändern bis 106 oder sogar 212 MHz. Daraus resultieren auch erhebliche Nachteile, wie wir noch zeigen werden. Auch der Einsatzbereich in der Praxis reduziert sich dadurch nicht unerheblich.

Einsatzmöglichkeiten: Unterstützung für den Glasfaser-Ausbau per FTTB

Die ersten Unternehmen, welche G.fast für ihre Kunden anboten, waren Mitte 2017 die regional operierenden Provider M-Net sowie Netcologne. Allerdings zeichnet sich ab, dass G.fast vor allem unterstützend auf den letzten Metern zum Kunden beim Glasfaserausbau eingesetzt wird und nicht wie im Fall von VDSL als Anbindungsart vom Kabelverzweiger zum Kunden. Denn der größte Nachteil der Gfast-Technik, ist die sehr geringe Reichweite, welche aus der Verwendung der sehr hohen Frequenzen resultiert. Zudem wird zwingend die Vectoring-Technik beim Einsatz benötigt.



G.fast wird daher aktuell vor allem als beim Ausbau von FTTB und FTTdp eingesetzt. Im ersten Fall verbaut der Internetanbieter die Glasfaserleitungen bis zum Wohnhaus – egal ob Ein- oder Mehrfamilienhäusern. Da die Verlegung zusätzlicher Leitungen in bestehenden Wohnhäusern sehr teuer und umständlich ist, wird bei Bestandsimmobilien für die letzten Meter zum Kunden nach wie vor meist das normale Festnetz (Kupferkabel) genutzt. Normaler Weise reduzieren dabei aber Dämpfungseffekte die nutzbare Bandbreite enorm. Durch den Einsatz von G.fast in Gebäuden, können die Datensignale, gespeist aus dem Glasfaser-Netz, nun fast 1:1 zum Kunden übertragen werden. Mit G.fast sind auf kurze Distanz Bandbreiten von bis zu 1 GBit/s möglich, so ein Technik-Fachmann von Huawei in einer M-net Pressemitteilung vom Mai 2017.

Fazit: G.fast wird vor allem den FTTB Glasfaserausbau unterstützen und somit die Verbreitung günstiger Fiber-Tarife beschleunigen.


Vorteile von G.fast im Überblick

Zusammenfassend bietet die relativ neue Technik einige wichtige Vorteile, welche für den Highspeed-Breitbandausbau in Deutschland eine elementare Rolle spielen werden.

  • extrem hohe Datenübertragungsraten auch auf herkömmlichen Festnetzleitungen (bis 1000 MBit)
  • Unterstützung für den Glasfaserausbau bis zu den Wohnhäusern (FTTB)
  • damit rückt der Fiberausbau wieder näher zum Kunden
  • günstige Brückentechnik ohne deutliche Leistungseinschränkungen für Kunden und Provider


Nachteile von G.fast

Neben den zahlreichen Vorzügen, hat das Verfahren aber leider auch einige Nachteile. Wie schon kurz angedeutet, ist das wohl größte Manko die sehr geringe Reichweite. Bereits ab 100 Metern Kabellänge, sinkt die erzielbare Performance auf ca. 800 MBit. Ab 250 Metern, so die gängigsten Quellen, ist der Einsatz von G.fast kaum noch möglich oder sinnvoll. Daher dürfte der Fokus auch künftig im gemischten Betrieb mit anderen Techniken, wie FTTB und VDSL liegen.

  • sehr geringe Reichweite (< 250 M)
  • rascher Performanceabfall mit zunehmender Distanz
  • Vectoring zwingend nötig, da sehr anfällig für Übersprechen wegen der hohen Frequenzen
  • Kunden benötigen neue Hardware, die G.fast unterstützt


G.fast Anbieter im deutschsprachigen Raum

Aktuell setzen hierzulande M-net (www.mnet.de) und Netcologne (www.netcologne.de) die Gfast-Technik für Endkundentarife ein. Den Anfang machte Mnet im Mai 2017 in München. Bis 2021 will das Unternehmen dort 620 Tsd. Wohnungen per FTTB und G.fast erschließen. Doch auch in anderen Städten geht der Ausbau gerade erst los. Die Deutsche Telekom plante ursprünglich auch Gfast einzusetzen, scheint aber momentan eher noch mit VDSL-Vectoring und Supervectoring zu liebäugeln.

Im Nachbarland Österreich kündigte „A1“ im Herbst 2016 ebenfalls den Start einer Agenda für Gfast-Anschlüsse an. Wenig später folge die Swisscom in der Schweiz.

G.fast Hardware

Herkömmliche VDSL-Router reichen leider nicht für den Betrieb aus. Der Router muss explizit die Kompatibilität für G.fast ausweisen. Neukunden müssen sich darum in der Regel aber keine Gedanken machen, da diese bei Bestellung mit entsprechenden Geräten vom Anbieter ausgestattet werden. Im Fachhandel tendiert die Auswahl ohnehin noch gegen Null. Nur die AVM FritzBox 7582 ist aktuell für G.fast angekündigt und wird wahrscheinlich nur über offerierende Internetprovider für Neukunden erhältlich sein.


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