Super-Vectoring (35b)

Was kann die verbesserte „Super“ VDSL-Technik?


Internet per Glasfaser gehört klar die Zukunft. Doch der bundesweite, flächendeckende Ausbau direkt bis zum Kunden, wird noch lange auf sich warten lassen. Um den digitalen Fortschritt dennoch nicht gänzlich zu stoppen, setzen viele Internetprovider auf moderne Verfahren, welche auch noch das letzte Quäntchen aus den alten Festnetzkupferleitungen rausquetschen. Mit dem sogenannten "Supervectoring" sind z.B. 250-300 MBit/s über herkömmliche xDSL-basierte Anschlüsse möglich. Wir zeigen, wo die Vorteile von Supervectoring liegen, welche Anbieter es gibt und was für Hardware dafür nötig ist.

Was ist Super-Vectoring genau?

Den Begriff des „Vectorings“ haben einige Leser sicher schon einmal gehört. Dabei handelt es sich um ein Verfahren für VDSL-Anschlüsse, bei dem bestimmte physikalische Effekte in den Festnetzkabelbündeln zum Endkunden eliminiert werden. Genauer gesagt, das sogenannte „Übersprechen“. Dabei handelt es sich um gegenseitige Störsignale zwischen benachbarten Kupferadern in den Leitungen vom DSLAM zum Verbraucher. Dieser Übersprecheffekt reduziert die netto nutzbare Datenrate, sowie die Kapazität allgemein. Statt 50 MBit/s im Download und 10 MBit/s beim Upstream, erzielen Vectoring-Anschlüsse gut 100 MBit/s bei 40 MBit/s Upload. Beim Supervectoring geht man noch einen Schritt weiter und erweitert das nutzbare Spektrum von 17 bzw. 30 auf 35 MHz. Zusammen mit Bündelungstechniken (Bonding), resultieren daraus Datenraten von maximal 250-300 MBit pro Sekunde. Es stellt die jüngste Verbesserung des VDSL-Standards dar. Gelegentlich werden für Supervectoring auch die Bezeichnungen "VDSL Annex Q", "Vectoring Plus", "V Plus" oder "VDSL2-Vectoring" verwendet.

Internetgeschwindigkeiten und Ihre Bandbreiten sowie Frequenzen

Supervectoring = Profil 35b

Unter der Bezeichnung „DSL“ werden mittlerweile mehr als ein halbes Dutzend Standards zur Datenübertragung im Festnetz geführt. Es handelt sich also um eine allgemeine Sammelbezeichnung. Den Anfang machte zur Jahrtausendwende das sogenannte „ADSL“. Heute stellen VDSL Vectoring, G.fast und Supervectoring die dominierenden Techniken dar. Jede wird von der ITU genau in den sogenannten DSL-Profilen definiert. Innerhalb Deutschlands kommt vorrangig VDSL nach 17a, 17b sowie 30a zum Einsatz. Supervectoring trägt das Profil 35b. Die Zahl steht jeweils für die genutzte Frequenzbandbreite, also in diesem Fall 35 MHz. Techniker müssen zur Umrüstung im Prinzip „nur“ im Verteilerkasten die Super-Vectoring-Karte implementieren.

Überblick: Datenrate je nach ADSL-Technik
Datenraten der DSL-Verfahren

Anbieter für Supervectoring Tarife

Am 1. August 2018 fiel in Deutschland der Startschuss, wo erstmals Tarife auf Basis von Supervectoring vertrieben worden. Angeboten werden die 250 MBit schnellen VDSL-Tarife heute von der Deutschen Telekom, Vodafone, O2 sowie 1und1. O2 startete dabei als letzter überregionaler Anbieter Supervectoring-Angebote. Die Preise bewegen sich zwischen 45 und 55 Euro monatlich. Eine Übersicht aller Angebote seitens der Dt. Telekom finden Sie hier, hier für Vodafone, für O2 Telefónica sowie hier für 1und1.

Die Verfügbarkeit von Supervectoring war zum Start zunächst noch relativ gering. Der Bonner Konzern verwies im August 2018 gerade einmal auf 6 Mio. versorgbare Haushalte. Im November desselben Jahres konnte die Supervectoring-Abdeckung allerdings bereits auf 12 Millionen gesteigert werden. August 2019 waren es dann schon 23 Millionen! Ende 2020 konnten nahezu 25 Mio. HH auf die Technik zurückgreifen, also ca. 60 Prozent. Ob auch Sie dazu gehören, verrät hier eine Karte der Telekom bzw. ein Verfügbarkeitscheck dort. Die folgende Grafik fasst nochmal die Entwicklung der Versorgung bzw. Verfügbarkeit von Supervectoring seitens der Dt. Telekom seit 2018 zusammen:




Prinzipiell müssen erst alle Verteilstationen auf Supervectoring umgerüstet werden. Auch dort, wo das „normale“ Vectoring schon zum Einsatz kommt. Dennoch besteht bei der Dt. Telekom prinzipiell bereits Handlungsdruck, da die Kabelanbieter schon mit Tarifen von 1000 MBit und teils darüber auftrumpfen.



neue Hardware nötig

Wie immer bei neuen Breitbandtechniken und Verfahren, muss auch die Gegenstelle im Kundenhaushalt den Standard unterstützen. Gemeint ist der Router. Anfangs gab es nur wenige Geräte, welche Supervectoring (35b) beherrschten. Heute bietet fast jeder neue VDSL-Router über 100 € einen entsprechenden Support. Als Beispiele seien genannt die FritzBox 7590, 7530 AX sowie die 7582. Alle Modelle versprechen Kompatibilität zu allen Breitbandstandards von VDSL-Supervectoring, bis hin zum guten, alten DSL. Die Telekom hält für Interessenten des Turbo-Tarifes zudem noch die Speedbox Modelle Smart 3, Smart 4 und den Speedport Pro(+) bereit.

Kritik an der Technik

Der Vorstoß hin zum Supervectoring kommt vor allem aus dem Lager der Deutschen Telekom. Der Konzern kann damit bequem in vielen Regionen auch ohne teuren Glasfaserausbau schnelle Internetzugänge anbieten und so etwas Zeit schinden. Zeit, bis die Glasfaser später einmal direkt zum Kunden verlegt wird. Allerdings bieten die Mitbewerber, besonders die Kabelprovider, schon längst schnellere Internetzugänge. Schon in wenigen Jahren wollen diese nahezu flächendeckend Internet mit 1 GBit/s (oder mehr) anbieten.

Politik und Wettbewerber fürchten daher, dass der Telekomriese den wichtigen Glasfaserausbau noch weiter verschleppt. Denn viele Mitbewerber hängen sozusagen mit an dem Netz der Telekom – genauer gesagt mieten diese meist Leitungen an, um selbst xDSL-Tarife an die eigenen Kunden zu vertreiben. Mit Supervectoring kann aber technisch bedingt immer nur ein Anbieter Endkunden vor Ort versorgen, das geht zu Lasten des Wettbewerbs. Immerhin plant die Dt. Telekom 2021 folgend den Glasfaserausbau wieder zu beschleunigen.


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