:: Ausbau von Glasfaser-Internet: Stand, Ziele und Hürden


Glasfaser-Kabel
Langfristig gesehen führt kein Weg vorbei am Ausbau der Glasfaser-Netze. Jede aktuell verwendete Technik, sei es DSL, VDSL oder Hybrid, ist im Endeffekt lediglich als Brückentechnik zu einer flächendeckenden Fiber-Abdeckung anzusehen. Denn keine andere Technik ist so leistungsstark und flexibel wie die Glasfaser.

Der Weg in die gläserne Zukunft und somit ins Gigabitzeitalter ist nicht mehr abzuwenden. Allerdings scheint Deutschland den weltweiten Trend mal wieder gründlich zu verschlafen. Doch seit 2020 es ist Besserung in Sicht! Im Folgenden wollen wir zeigen, wie der aktuelle Stand ist, wo Glasfaser-Internet hierzulande schon bestellt werden kann und wo es bald ausgebaut wird. Mittlerweile können sich die ersten Erfolge bereits sehen lassen!

1. Ausbau in Deutschland im EU-Vergleich

Obwohl Experten praktisch unstrittig in den Glasfaser-Netzen die Zukunft der Datenübertragung sehen, gibt Deutschland im internationalen Vergleich nach wie vor kein gutes Bild ab. Gemäß des Rankingvergleichs vom „FTTH-Council“ aus dem Jahr 2019, rangierte die Bundesrepublik in der weltweiten Betrachtung damals nur auf Platz 30 (2016 noch Platz 27) von 33. Damit verschlechterte sich die Situation im europaweiten Vergleich sogar abermals deutlich.

Aber auch in der folgenden Grafik markiert Deutschland wieder den Schluss. Hier wird der prozentuale Anteil der Glasfaser-Haushalte verglichen. Es handelt sich um eine 2020 veröffentlichte Studie des „FTTH-Councils“, welche für Ende desselben Jahres und 2026 eine Prognose beinhaltet. Demnach liegt der Anteil an Haushalten von Glasfaserhaushalten Ende 2020 hierzulande bei 4,8 Prozent (2019 noch 2,3 %; 2017 1,6 %). Recht wenig verglichen z.B. mit der Ukraine oder Türkei, die je auf knapp 15 Prozent kommen. In Spanien sind es sogar über 60 Prozent.

Immerhin verweisen die Experten aber auf eine Abdeckung von mittlerweile 10 Prozent in Deutschland hin. Denn die technische Abdeckung geht nicht einher mit der Zahl der tatsächlich genutzten Zugänge. Die „Take Rate“ liegt in Deutschland bei ca. 33 Prozent. Gut 1/3 der Haushalte die Glasfaser nutzen können, greifen also wirklich darauf zurück. Der EU28 Schnitt liegt übrigens bei 43,3 Prozent.

Nicht verwechselt werden darf die Zahl also mit der der tatsächlichen Kunden. Diese lag Ende 2020 bei gut 2 Millionen, verglichen mit 6 Millionen ans Glasfasernetz angeschlossenen Häusern[1].



EU-Ranking Durchdringung FTTH/B Kundenhaushalte in Prozent:
EU-Ranking FTTH von FTTH Council Europe


Ähnliche Zahlen gibt es auch von der etwas neueren TK-Marktstudie 2020 (3. Quartal) von VATM. Hier wird die Zahl der FTTH-Anschlüsse auf 5,115 Mio. beziffert, wovon 1,87 Mio. (36,6 %) aktiv sind [Quelle S.14].


Anzahl verfügbarer FTTH/B Anschlüsse vs. aktive Anschlüsse


2. Neue Prognosen und Pläne schüren Hoffnung

Die genannte Studie des FTTH-Councils beinhaltet aber auch eine sehr ermutigende Prognose für das Jahr 2026. Demnach könnte Deutschland das Bild sogar noch drehen, auch wenn dies erst einmal auf Blick in die Vergangenheit sehr unwahrscheinlich wirkt! Die Experten gehen für Deutschland in dem Zeitraum von einem extremen Wachstum bei der Zahl der Glasfaser-Kunden von 2 auf 25 Mio. aus – das entspricht einer Steigerung von satten 1757 Prozent. Nur für Großbritannien (ebenfalls Nachzügler) soll das Wachstum mit 3000 Prozent noch höher liegen. Ähnlich optimistisch bei den angebundenen Häusern. Hier wird ein Sprung von aktuell 6 auf 34 Mio. prognostiziert. Sollte dies eintreffen, würde sich die Anzahl der FTTH-Haushalte von rund 5 % auf 59 Prozent erhöhen[1].



Ranking in der EU: Glasfaseranschlüsse 2020 vs 2026

Die Prognose deckt sich erstaunlicher Weise auch mit der Ansage der Deutschen Telekom, welche Ende 2020 für die kommenden Jahre eine enorme Intensivierung der Ausbaubemühungen bekannt gab. 2030 wolle man sogar alle Haushalte mit Glasfaser erreichen. Nach anfänglichen Problemen, könnte also bald neuer Schwung in den hiesigen Fibermarkt kommen!

3. Kabel stellt heute die meisten Gigabitanschlüsse und nicht FTTH

Gemessen an der Anzahl der gigabitfähigen Internetzugänge, steht Deutschland allerdings sogar recht gut da. Denn nicht nur über FTTH können vierstellige Übertragungsraten bereitgestellt werden, sondern auch über die Kabelnetze - genauer gesagt Hybrid-Netze aus Glasfaser und Koaxial. Die Kabelprovider stellen daher hierzulande die meisten Giga-Anschlüsse (60 Prozent [VATM]). Das bringt immerhin die Deutsche Telekom immer mehr unter Druck und wird so zu mehr Investitionen in die Fiberinfrastrukturen gedrängt.

Gigabit-Internet: Anteil Kabel-Haushalte

Insgesamt beziffert eine Studie von VATM (3. Halbjahr 2020) die Zahl der gigabitfähigen Anschlüsse auf stattliche 28,8 Millionen. Der überwiegende Teil geht aber auf das Konto eben der Kabelbetreiber. Allein Vodafone stellte zu dem Zeitpunkt gut 22 Millionen davon über sein Kabelnetz bereit. Demnach zeichnet sich die Dt. Telekom hierzulande gerade mal für 7 Prozent dieser Anschlüsse verantwortlich.

Des Weiteren wird seit Mitte 2019 der LTE-Nachfolger "5G" (www.5g-anbieter.info) ausgebaut. 5G-Mobilfunkmasten können aber ohne leistungsstarke Glasfaseranbindungen die versprochenen Leistungen jenseits der Gigabitgrenze nicht bieten, so dass wieder ein gewichtiges Argument für mehr Infrastrukturen gegeben ist.

4. aktueller FTTH-Ausbaustand Deutschlands in Zahlen

Momentan (Mitte 2021) können hierzulande rund 5.1 Millionen Haushalte auf "echtes" Glasfaserinternet zugreifen. Echt bedeutet dabei die Ausbauweise, wo die Fiberleitungen direkt bis zum Haus oder Modem des Endkunden führen, also FTTH bzw. FTTB. In Prozentpunkten ausgedrückt bedeutet das eine Abdeckung von gerade mal 10-12 Prozent. Zum Vergleich: VDSL (FTTC) ist zurzeit schon für rund 80 Prozent der Haushalte verfügbar.

4.1 Ausbau verlangsamte sich temporär

Nach einigen Jahren, wo die Telekom den Fiberausbau richtig intensiv anging, stockte es seit spätestens 2015 ziemlich. Der Konzern selbst gab an, dass in vielen Regionen das Interesse an den schnellen Anschlüssen relativ gering ausfiel. Bis 2020 setzen die Bonner vor allem auf den Ausbau über Brückentechniken, wie Hybrid oder VDSL-Vectoring. Zwar geht tendenziell damit auch eine Erhöhung des Glasfaseranteils einher, jedoch rückt dieser immer langsamer bis zum Endkunden. Über aktuelle neue Ausbauerfolge, berichten wir übrigens regelmäßig hier im Blog.

Telekom Verteilerkasten Vectoring

Telekom präferiert nach wie vor Ausbau mit VDSL + Vectoring (FTTC)


5. Ausbau nach Anbietern

Folgend wollen wir je noch einen kurzen Blick auf die einzelnen Unternehmen am deutschen Markt werfen, welche sich für die Erschließung des neuen Netzes maßgeblich verantwortlich zeigen.

5.1 Deutsche Telekom

In der bundesweiten Betrachtung nimmt, neben den Kabelnetzanbietern, seit 2011 die Deutsche Telekom eine entscheidende Rolle ein. Am 13.08.2012 startete die Telekom FTTH erstmals offiziell in den ersten 12 Städten Deutschlands. Nachdem diese zunächst weiter recht übersichtlich blieb, kamen 2013 und 2014 etliche Neulinge hinzu. Vor allem Städte, in denen der Ausbau zunächst unsicher war oder wo die Arbeiten noch im Gange waren. Mitte 2021 zählten wir immerhin schon über 80 Städte, in denen FTTH verfügbar war. Hinzu kommen hunderte kleine Städte und Gemeinden. Oft sind allerdings zunächst nur bestimmte Stadtteile erschlossen und nicht die kompletten Citygebiete. Im Einzelnen handelt es sich dabei (unter anderem) um:

Wie es um den aktuellen Stand bestellt ist, können Interessenten hier auf der Telekomkarte prüfen...

Stadt Vorwahl Stadt Vorwahl
Brühl/Baden 06202 Neu-Isenburg 06102
Region Bauzen 03591
Hannover 0511 Offenburg 0781
Bonn 0228 Ditzingen 07152
Bornheim 02227 & 02236 Gemmrigheim 07143
Eschborn 06196 & 06173 Korntal-Münchingen 0711
Belm 05406 Holzgerlingen 07031
Backnang 07191 Ostfildern 07158
Hildesheim 05121 Plochingen 07153
Gerlingen 07156 Steinheim an der Murr 07144
Winnenden 07195 Steyerberg 05764
Allmersbach im Tal 07191 Stuttgart 0711
Bad Canstatt 0711 Wendlingen am Neckar 07024
Bempflingen 07123 Bad Staffelstein 09573
Bornheim 02222 & 02227 Ditzingen 07152
Deggingen 07334 Ertingen 07371
Fellbach 0711 Fuldabrück 0561
Hildburghausen 03685 Lichtenwald 07153
Plettenberg 02391 Sarstedt 05066
Sonthofen 08321 Münklingen 0733
Lüdinghausen 02591 Kirchweyhe 04203
Delmenhorst 04221 Georgsmarien-Hütte 05401
Tostedt 04182 Oldenburg 0441
Achim 04202 Bremen 0421
Ingolstadt 0841 Potsdam 0331
Bremershafen 0471 Emstedtten 02572
Kornwestheim 07154 Rastatt 07222
Mettmann 02104 Stade 04141
Hennigsdorf 03302 Bergneustadt 02261
Amberg 09621 Braunschweig 0531
Aschaffenburg 06021 Frankenthal 06233
Freising 08161 Fürstenfeldbruck 08141
Friedrichsdorf 06175 Gummersbach 02261
Kempten 0831 Kiel 0431
Koblenz 0261 Lörrach 07621
Oberursel 06171 Bad Homburg 06172
Berlin 030 + diverse Magdeburg Südenburg 0391
Chemnitz 0371 Bad Dürrenberg 03462
Halle 0345 Eisenhüttenstadt 03364
Dresden diverse Leipzig-Großzschocher 0341
Cloppenburg 04471 Leipzig-Markleeberg 034299
Görlitz 03581 Magdeburg 0391
* inklusive Blasewitz; Striesen und Gruna

Wer hier wohnt, hat gute Chancen die neuen Angebote bereits bzw. bald nutzen zu können. Alle aktuellen Infos zum Glasfaserausbau der Dt. Telekom und die Entwicklung des Netzes im Zeitverlauf, haben wir übrigens hier ausführlich nochmal zusammengefasst.

5.2 United Internet (1und1) als neuer Akteur

Seit Anfang 2020 bietet nun auch 1&1 eigene Glasfaser-Tarife auf Basis eines eigenen Netzes. Genauer gesagt stammt die Infrastruktur nicht aus eigenen Ausbaubemühungen, sondern aus der Übernahme des einstigen Anbieters „Versatel“, welches ein Fiber-Netz betrieb. Zudem kooperiert 1&1 mit regionalen Unternehmen beim Vertrieb der Gigabitzugänge. Ob und in welchem Umfang 1und1 künftig selbst am den Glasfaserausbau vorantreiben wird ist leider nicht bekannt. Allerdings schätzen wir, dass die Chancen dafür nicht schlecht stehen. Schließlich will man langfristig ein eigenes (5G-) Mobilfunknetz ausbauen, dessen Masten auch angebunden werden müssen. Und hier ist Glasfaser natürlich die erste Wahl...

5.3 Vodafone & O2 starten ebenfalls FTTH-Ausbau

Die Düsseldorfer betreiben zunächst einmal Deutschlands größtes Kabelnetz - gewachsen durch die Übernahme von Kabel-Deutschland und Unitymedia. Seit 2020 investiert auch Vodafone verstärkt in FTTH. Das Unternehmen, was sonst eher für sein starkes Kabelnetz bekannt ist, hat also auch die Notwendigkeit zur Stärkung des Zukunftsnetztes erkannt. Erste Regionen werden seit Q1/2020 langsam ausgebaut oder sind bereits erschlossen. Mehr dazu erfahren Sie hier in unserem, Vodafone Glasfaser-Spezial. Im Herbst des gleichen Jahres machte auch O2 von sich reden, indem man ebenfalls Pläne für ein eigenes Netz veröffentlichte. Mehr dazu hier.

5.4 regionale Unternehmen

Neben der Deutschen Telekom, gibt es noch Glasfasernetze kleinerer, regionaler Anbieter. Zu diesen gehört z.B. die M-net, welche maßgeblich in Bayern agiert, Netcologne, wilhelm.tel und die "Deutsche Glasfaser". Zum Teil investieren diese Unternehmen schon seit Jahren in den Glasfaserausbau und haben rechtzeitig die fehlende Zukunftsfähigkeit von DSL erkannt. Eine Übersicht regionaler Glasfaser-Tarife finden Sie hier.


6. hemmende Faktoren für den FTTH/B Ausbau

Es gibt eine Reihe von Ausbauhemmnissen, die tendenziell verhindern, dass FTTH/B sich nicht (noch) schneller durchsetzt. Zunächst einen wären da natürlich die seit jeher horrenden Kosten im Vergleich zu anderen Techniken. Denn statt auf die schon bestehenden Telefonleitungen, die bisher für DSL/VDSL genutzt wurden, müssen komplett neue Leitungen gezogen oder vergraben werden. Hinzu kommt, dass die älteren auf kupferbasierte Breitbandtechniken durch technischen Fortschritt nochmals deutlich schneller geworden sind. Statt nur 16 MBit via ADSL, sind über VDSL Super-Vectoring auch ohne Glasfaser 50-250 MBit/s möglich. Auf kurze Distanzen per G.fast sogar 1 GBit/s. Das verzögerte temporär die Notwendigkeit für einen raschen Ausbau. Aber auch massiv leistungsfähigere Kabelnetze auf Basis von DOCSIS 3.1 oder 4.0 bieten heute Gigabitdatenraten.

Seit 2020 konkurriert gerade außerhalb der Städte zudem der LTE-Nachfolger 5G mit FTTH. Über kostengünstigen Mobilfunk können Millionen Haushalte mit ähnlich hohen Leistungen kostengünstig erschlossen werden. Allerdings gibt es hier auch einige Nachteile, wie eine etwas schlechtere Zuverlässigkeit. Zudem bieten längst nicht alle Funktarife unlimitiertes Datenvolumen und wenn, dann nur zu deutlich höheren Preisen. Gesteigerte Ausbaukosten, im Vergleich zu Funktechniken wie 5G oder Fixed wireless acess, sind also ebenfalls Gründe, worum sich der Fiber-Ausbau verzögern kann.

LTE Funkturm

Zu guter Letzt sei noch erwähnt, dass längst noch nicht jeder auch Datenraten über 500 MBit benötigt. Daher ist sicher auch die Annahmequote mit ca. 30 Prozent noch eher gering. Viele Kunden sehen schlicht (zu Recht) noch nicht genügen Anwendungsmöglichkeiten für derart hohe Geschwindigkeiten. Es bedarf also noch neue, interessante Applikationen, damit die breite Masse Gigabitzugänge auch nachfragt. Etwa 8K Videostreaming…

6.1 Kosten im Detail: Der Glasfaser-Ausbau verschlingt Milliarden

Glasfaser Tiefbauarbeiten
Dass die Arbeiten an der Verfügbarkeit vergleichsweise schleppend vorangehen, liegt vor allem an den immensen Kosten. Alleine für die Stadt Hannover, rechnete die Telekom damals mit einem hohen zweistelligen Millionenbetrag. Zur Erschließung von 45.000 Haushalten, wurden beispielsweise gut 600 km Kabel verlegt und ca. 170 Verteilerkästen neu errichtet. Gut 80 Prozent der Kosten entfallen interessanter Weise nicht etwa auf teure Technik oder die Kabel selbst, sondern auf die nötigen Tiefbauarbeiten. Schlussendlich müssen die Fiberkabel auch noch bis zum Haus der Endkunden geführt werden.

Die Erschließung neuer Regionen muss also unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten gut geplant werden. Vor diesem Hintergrund verwundert es nicht, dass vorzugsweise nur dicht besiedelte, dynamische Regionen mit Glasfaser-Internet ausgebaut werden. Ein deutschlandweiter Rollout in den nächsten Jahren, ist äußerst unwahrscheinlich. Schätzungen des „Wissenschaftlichen Instituts für Infrastruktur“ zufolge, würde der bundesweite Glasfaserausbau um die 80 Milliarden Euro kosten! Eine Zahl, welche 2017 abermals bestätigt wurde. Ein Grund, warum die Telekom auch Partner im Netzausbau sucht, wie etwa Energieversorger. Synergien ergeben sich z.B. dadurch, dass regionale Stadtwerke die passiven Netze ausbauen. Telekommunikationsunternehmen zahlen für die Nutzung Miete, binden diese an das Kernnetz an und schnüren Endkundenprodukte. Zudem wird eine wirtschaftliche Erschließung aller Regionen weiterhin nicht ohne einen breiten Technologiemix möglich sein. Also neben FTTH auch Brückentechniken, wie VDSL, VDSL-Vectoring, G.fast oder LTE/5G-Funk.

6.2 teils scheitert der Ausbau auch mangels Interesse …

Bedingt durch die erheblichen Ausbaukosten, lohnt die Investition in Glasfasernetze für die Telekom nur, wenn genügend Verbraucher Nachfrage bekunden. Daher sammelte der Konzern im Vorfeld nicht selten zunächst erst einmal Vorverträge. Nur ab einer bestimmten Quantität begannen dann die vorgesehenen Tiefbau- und Umbauarbeiten. Je nach Stadt, schwankte diese zwischen einigen hundert und knapp 5000 nötigen Vorbestellungen. Meist konnte die nötige Anzahl erreicht werden. In drei Städten scheiterte der Ausbau an diesem Punkt schon in der Vergangenheit. Und zwar in Münster, Erlangen und Bremerhaven. Auch Vodafone prüft bei seinen FTTH-Plänen stehts das Interesse per Vorregistierung.

7. Notwendigkeit für das Netz

Trotz notwendiger Milliardeninvestitionen, ist für Deutschland langfristig ein gut ausgebautes Glasfasernetz unumgänglich. Da sind sich eigentlich alle Experten und die Politik (trotz geringen Handlungsdrucks) einig. Es bildet nicht nur die Basis für schnelle Glasfaser-Flatrates, sondern ist Voraussetzung für einen diversifizierten Breitbandmix. Denn überall dort, wo sich der Ausbau von breitflächigen Glasfasernetzen nicht lohnt, also auf dem Land etwa, sind Alternativen nötig.

Rechenzentrum mit Glasfaserkabeln
LTE-Mobilfunk z.B. bietet die Voraussetzung für kostengünstige Breitbandangebote mit deutlich über 100 MBit. Per LTE-Advanced, sind heute prinzipiell sogar bis zu 500 MBit und mehr möglich. Der Nachfolgestandard 5G wird langfristig zudem Gigabit-Internet per Funk, also auch ohne Glasfaser, in die Fläche tragen. Auf dem Land können LTE und 5G langfristig zumindest eine Grundversorgung mit mehreren hundert MBit sicherstellen. Solange, bis der kabelbasierte Ausbau erfolgt. Entsprechende Tarife gibt es von zahlreichen Anbietern.

Die Basis für so schnelle Funkanbindungen wiederum, schaffen nur per Glasfaser an das Kernnetz angebundene Sendemasten. Gleichsam wird die Relevanz intelligenter Hochleistungsnetze für den Wirtschaftsstandort Deutschland stetig seitens der Industrie betont. Ein weiterer Abfall im internationalen Vergleich (siehe oben) hätte langfristig verehrende Folgen für die Wettbewerbsfähigkeit. Vor diesem Hintergrund erscheinen selbst zweistellige Milliardensummen als verkraftbar. Allerdings kann diese Last nicht maßgeblich einem Unternehmen (z.B. Dt. Telekom) aufgebürdet werden, soviel scheint klar.

8. Perspektiven

Nach einer längeren Phase wo es kaum Fortschritte gab, erwarten wir und einige Experten (siehe Punkt 1) in den kommenden 5-10 Jahren eine Wiederbelebung des Glasfaserausbaus - nicht nur in Deutschland, sondern EU-weit. Der stetig steigende Netzverkehr macht dies eigentlich auch alternativlos. Befeuert werden könnten die Bestrebungen zusätzlich durch das stetig wachsende 5G-Netz, was nach Masten mit Fiberanbindungen geradezu verlangt. Selbst die Dt. Telekom will bis 2030 FTTH/B praktisch flächendeckend anbieten können. Der Wettbewerb sollte dadurch erneut entfacht werden und zu einem kleinen Wettrennen um die besten Netze führen...

Glasfaserleitung (symbolisch)

Nur das Interesse der Deutschen Verbraucher an Highspeed-Internet per Glasfaser hält sich bis dato noch in Grenzen. Wahrscheinlich auch weil, bis auf IPTV und Streamingdienste wie Netflix, noch kaum relevante Anwendungen seitens der Provider angeboten werden. In vielen Haushalten verrichten noch Internetzugänge mit deutlich weniger als 50 MBit ihre Dienste. Zumeist ohne merklichen Nachteil seitens der Nutzer. Erst wenn es "Killerapplikationen" gibt, die 200 oder gar 1000 MBit voraussetzen, dürfe auch die Nachfrageseite anfachen.

Quellen:
[1] FTTH Council Europe - Forecast for EUROPE 2020-2026
VATM; Deutsche Telekom


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