Ratgeber: Glasfaser-Hausanschluss

Welche Anschlussformen gibt es, was benötigt man & wie hoch sind die Kosten?


Um Glasfaserinternet zu nutzen, müssen die entsprechenden Leitungen zunächst von außen, also dem öffentlichen Raum, ins Innere des Hauses geführt werden. Dort erfolgt dann die weitere Vernetzung bis hin zum Endkunden-Router. Folgend zeigen wir kurz die Grundlagen auf, die Sie wissen sollten – egal ob als Hauseigentümer oder Mieter oder ob Ein- oder Mehrfamilienhaus. Zudem finden Sie zu jedem Thema vertiefende Informationen.

1. prinzipieller Ablauf

Ganz grob abstrahiert gibt es 4-5 Schritte die nötig sind um künftig mit GF-Internet zu surfen, falls das eigene Haus noch nicht erschlossen wurde:

a) Beantragung und Beauftragung der Erschließung falls noch nicht erfolgt (Info)
b) Ausbauarbeiten und somit Zuführung der Glasfaser ins Haus durch den Anbieter
c) Montage der relevanten Netzkomponenten (siehe folgend) und Verkabelung im Haus
d) Tarif buchen, WLAN-Router verbinden und einrichten

2. Anbindung des Gebäudes/Liegenschaft

Um einen Internet-Glasfaseranschluss beim Endkunden herzustellen, müssen zunächst Leitungen von außen ins Gebäude geführt werden. Im Zuge dessen, ist auch eine kleine Bohrung (1-2 Zentimeter) zur Durchführung der Kabel nötig, falls dies noch nicht erfolgte. Sofern Sie der Eigentümer sind, wird dafür natürlich, nach Rücksprache beim Glasfaseranbieter Ihrer Wahl, eine Einwilligung benötigt. Gehts es um Mehrfamilienhäusern (MFH), müssen ebenfalls der/die Eigentümer/Verwalter den Anschlussmaßnahmen zustimmen. Mehr dazu hier in unserem Spezial zur Beantragung eines Glasfaser-Hausanschlusses.

3. Verlegung der Glasfaser im Haus

Wurden die nötigen GF-Leitungen erst einmal im Gebäude von außen angebunden, kann die eigentliche Vernetzung und Versorgung mit Glasfaser-Internet für alle Teilnehmer erfolgen. Ein Glasfaser-Hausanschluss besteht immer aus 3 bis 4 Hauptkomponenten:

  • 1. Glasfaser-Abschlusspunkt (Gf-AP) *
  • 2. Glasfaser-Teilnehmeranschluss (GF-TA) = „Glasfaserdose“
  • 3. Netzwerkterminierung (ONT = Glasfasermodem)
  • 4. WLAN-Router beim Endnutzer

* teils auch Hausübergabepunkt (HÜP) oder GF-Gebäudeverteiler genannt

Elementar ist zunächst der sogenannte Glasfaser-Abschlusspunkt (Gf-AP). Hier werden die mittels Wandbohrung von außen nach innen geführten Glasfaserleitungen entgegengenommen. Normalerweise wird er im Keller angebracht und 2 bis maximal 3 Meter neben der Bohrung und Durchführung von außen installiert. Eine Stromversorgung ist bei diesem Teil nicht nötig. Für den weiteren Verlauf kommt es nun darauf an, ob es sich um ein Einfamilienhaus (EFH) oder Mehrfamilienhaus (MFH) handelt.

3.1 Einfamilienhaus Gebäudenetz

Hier gibt es mehrere Möglichkeiten, die je nach Gegebenheiten vor Ort oder dem realisierenden Glasfaserunternehmen abweichen können.

Weg a) Am verbreitetsten ist diese Lösung: Vom Keller wird direkt neben dem Gf-AP das ONT angebracht. Ein LAN-Kabel (>= CAT6) führt dann in einen der Wohnräume (z.B. Stube oder Flur) zum WLAN-Router, welcher die Internetversorgung aller benötigten Endgeräte per LAN oder WLAN sicherstellt. Dies ist gleichsam die einfachste und kostengünstigste Variante und überall problemlos durchführbar. Prinzipiell könnte man den Router auch im Keller neben dem ONT platzieren bzw. im Fall eines Glasfaser-Routers direkt an eine Glasfaserdose anbinden. Empfehlenswert ist dieses Szenario allerdings nicht, da so kaum eine gute WLAN-Versorgung im Haus sichergestellt werden kann. Einzig der Umweg über ein DLAN-Netz könne dann noch zielführend sein...

Tipp mehr zu gängigen Glasfaser-Steckern und Kabeln erfahren Sie hier.

Weg b) Sofern beim Bau des EFHs schon Leerrohre und/oder gar Glasfaserkabel im Haus verlegt worden sind, können diese natürlich im Keller am Gf-AP direkt angebunden werden. Dann lassen sich mehrere Zimmer mit je einer Glasfaserdose versehen, an die sich dann im Prinzip je ein Glasfasermodem/Router anbinden lässt. Dies ist der technisch eleganteste Weg, aber natürlich nicht immer möglich und teurer/aufwendiger. Idealer Weise wird beim Neubau bereits darauf geachtet.

3.2 Mehrfamilienhaus Gebäudenetz

Im Gegensatz zum Einfamilienhaus, wird beim Mehrfamilienhaus nach dem Glasfaseranschlusspunkt (Gf-AP) (meist vom Netzbetreiber installiert) noch ein Glasfaser-Gebäudeverteiler (Gf-GV) geschaltet. Eine Art Splitter also. Hier beginnt die Netzebene 4 – das Gebäudenetz. Vom Gf-GV wird dann ein Glasfaserinnenkabel bis in jede einzelne Wohnung oder Gewerbeeinheit zur dortigen Gf-TA Anschlussdose (vergleichbar mit der alten Telefondose) gelegt. Jedes Kabel führt dabei zwei Glasfaserkabel (teils sogar vier). Die redundanten dienen als Sicherheit, falls in Zukunft einmal eines beschädigt werden sollte.

Erst ab der Anschlussdose (Wohnungsebene bzw. NE 5) beginnt im Mehrfamilienhaus dann sozusagen die „Hoheit“ des Kunden. Hier kann ein Glasfasermodem (auch Netzabschluss, kurz NT) angebunden werden, welches die Lichtsignale zurück in elektrische verwandelt. Das NT sollte maximal 0,5-1 Meter vom Gf-TA angeschlossen werden. Wer WLAN nutzen möchte, muss nun nur noch das Glasfasermodem mit einem handelsüblichen, leistungsstarken WLAN-Router verbinden. Sofern Ihr Anbieter schon einen modernen Glasfaser-Router bereitstellt (oder Sie selbst einen besitzen), kann auf das Modem, also eine Komponente, verzichtet werden. Das spart Platz und Strom.

So sieht dass dann in einem MFH aus: Beispielvideo Dt. Telekom


Zur Ergänzung sei noch erwähnt, dass es in der Praxis noch zwei leicht abgewandelte Topologie im MFH gibt. Besonders bei sehr hohen Gebäuden kann zwischendurch noch ein oder mehrere Glasfasersammelpunkte (Gf-SP) geschaltet. Entweder auf jeder Etage oder z.B. nur auf einer. Jeder der Gf-SP wird mit einem eigenen Steigleitungskabel (Singlemode-GF nach ITU-T G.657.A2 oder G.652.D) am Gebäudeverteiler angebunden. Der Vorteil: Man muss nicht für jede Wohneinheit eine separate Leitung vom Keller ziehen, sondern nur zum Gf-SP. Von diesem werden dann die Glasfaserkabel zu den Wohneinheiten angespleißt – sogar über mehreren Etagen. Es handelt sich also um eine Art weiteren In-House-Verteiler.

Grafik


4. Kosten für den Hausanschluss

Die Kosten für die Glasfaser-Erschließung der eigenen Immobilie hängt von mehreren Faktoren ab. Sofern man die nötigen Fristen einhält und Anträge stellt, kann es unter Umständen sogar kostenlos sein, sofern ein Anbieter im Gebiet ohnehin gerade oder bald ausbaut. Oder zumindest sehr kostengünstig. Anderenfalls kann es sehr teuer werden. Mehr hier im Ratgeber zu den Kosten für den Glasfaserneuanschluss.

5. Wie kommt die Glasfaser ins Hausinnere?

Hier gibt es mehrere Möglichkeiten. Idealer Weise ist das Haus schon über Leerrohre vom Anschlussschacht am Wegesrand angebunden. In diesem Fall können die Kabel vom Anbieter direkt eingezogen werden. Vor allem wer neu baut, sollte hier vorsorgen. Dann wird es in Zukunft einfacher und billiger, sobald die Wohngegend mit Glasfaser erschlossen wird.

Ein nicht ganz so elegante Weg, der aber auch ohne solche Vorbereitungen möglich ist, führt über eine sogenannte Erdrakete oder Erdborhnung. Darüber wird dann vom Gehweg bis zum Haus die Grundlage für die Anbindung gelegt. Nur wenn auch das nicht möglich ist, wird gegraben (teuer).

Wie das mit der Erdrackete funktioniert, kann man in diesem Video sehen:


Auf jeden Fall muss aber durch die Außenwand ein kleines Loch gebohrt werden, welche zum Keller führt. Den genauen Ort etc. bestimmt man dann mit Rücksprache zum ausbauenden Unternehmen.

Das folgende Video, sehr gut gemachte Video von "TNG Stadtnetz" fasst übrigens alle wichtigen Infoas noch einmal anschaulich in einem Film zusammen. Sehr empfehlenswert!



6. Lohnt es das eigene Haus anzubinden?

Ja, auf jeden Fall. Sowohl für Endnutzer als auch Eigentümer lohnt der Anschluss des Hauses mit Glasfaser gleich doppelt. Einerseits profitieren Nutzer von den deutlich höheren Geschwindigkeiten beim Surfen, Downloaden und Versenden. Andererseits profitiert die Immobilie in der Regel von deutlichen Wertsteigerungen und bleibt auch auf die nächsten Jahre attraktiv. Experten gehen von einer Wertsteigerung von ca. 3-8 Prozent durch die Glasfaseranbindung aus.

Quellen: Telekom FTTH Ratheber (PDF)

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